Geologie im Geopark

Wer den GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus besucht, der trifft auf die Zeugnisse tropischer Riffe, kann ehemalige Vulkankegel bestaunen und bei der Besichtigung einer Karsthöhle tief in die Erde eintauchen. Alle diese Phänomene zeugen von einer viele Millionen Jahre alten Erdentwicklung, in deren Verlauf die Region von einem Urozean überspült war, sich ein Hochgebirge bildete, feuerspuckende Vulkane ihre Spuren hinterließen und das Klima umfassenden Wandlungen unterworfen war.

Heute gehört das 3.800 Quadratkilometer große Gebiet des GEOPARKS Westerwald-Lahn-Taunus zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Den Geopark selbst prägen zwei großräumige geologische Strukturen: die Lahn-Dill-Mulde sowie der Westerwald. Die beiden geologischen Baueinheiten weisen ihre ganz eigene geologische Entwicklungslinie auf und unterscheiden sich in ihrem Landschaftsbild stark voneinander.

Das Rheinische Schiefergebirge besteht aus Sedimentgesteinen des Erdaltertums (Paläozoikum). Insbesondere während des Devons und Unterkarbons lagerten sich in Schelfbereich eines sich damals in der Region befindlichen Ozeans Sedimente ab und bildeten eine mächtige Ablagerungsschicht. Noch heute zeugen zahlreiche Fossilienfundstätten im Geopark von der mannigfaltigen Flora und Fauna des damaligen Devon-Meeres.

Die Sedimente sind durchsetzt von magmatischen Gesteinen, deren Entstehung an intensive vulkanische Aktivitäten während des Devons gebunden war. Diese Gesteine vulkanischen Ursprungs aus dem Erdaltertum findet man insbesondere in der Lahn-Dill-Mulde. Im Gegensatz zu den jüngeren Vulkaniten des Westerwaldes wurde die paläozoischen vulkanischen Gesteine im Laufe der variszischen Gebirgsbildung metamorph überprägt. Zu diesen Gesteinen, die durch ihre Grünfärbung auffallen, gehören Keratophyre, Diabase und Diabastuffe.

Während der Phase des devonischen Vulkanismus entstanden auch die Roteisensteinlager, deren Abbau über viele Jahrhunderte die wirtschaftliche Entwicklung der Region geprägt hat. Die Erze bildeten sich durch chemische Prozesse in den Vulkaniten, in deren Rahmen Eisen, Calcium und Silizium freigesetzt wurde. Als Erzschlamm lagerten sie sich auf dem Meeresboden in Nestern ab und bildeten die Eisenerzlagerstätten.

Während der Variszischen Gebirgsbildung, die durch die Kollision der Großkontinente Gondwana und Laurussia hervorgerufen wurde und die im Gebiet des Geoparks im Karbon einsetzte, durchliefen die auf dem Meeresboden abgelagerten Sedimente eine Metamorphose. Sie wurden aufgefaltet und verschiefert und es bildeten sich Schiefer und Quarzite. Das Gebiet des Geoparks wurde im Rahmen der Gebirgsbildung gehoben und seit dieser Zeit nicht mehr vom Meer überflutet.

Während des Tertiärs herrschten im Gebiet des Geoparks tropische bis subtropische Klimaverhältnisse. Die Region wies eine reiche Tier- und Pflanzenwelt auf, wie fossile Funde belegen. Berühmt wurde die Stöffelmaus, ein mausähnlicher Kleinsäuger mit Flughäuten, der vor 25 Millionen Jahren lebte.

Das warme und feuchte Klima führte zu intensiven chemischen Verwitterungsprozessen in den Kalkablagerungen der devonischen Riffkalke. Es bildeten sich zahlreiche Karstphänomene wie die Höhlen in Breitscheid und Kubach oder die Kegelkarste im Steinbruch Schneelsberg.

Infolge tektonische Schollenbewegungen, die im Jungtertiär einsetzten, bildeten sich Störungszonen, in denen magmatische Schmelzen aus dem Erdinneren an die Oberfläche aufsteigen konnten. Intensive vulkanische Aktivitäten waren die Folge. Die so enstandenen magmatischen Gesteine bilden heute die geologische und landschaftsprägende Struktur des Westerwaldes. Da diese Gesteine – meist Basalte oder basaltähnliche Vulkanite – in der Regel härter als ihr Umgebungsgestein sind, wurden sie im Laufe der Jahrmillionen aus dem Untergrund herausmodelliert und bilden heute beeindruckende geologische Formen.

Das Landschaftsbild, das der Besucher des Geoparks heute vorfindet, entstand nach geologische Zeitmaßstäben erst in jüngster Zeit. Während des Quartärs wechselten sich Kalt- und Warmzeiten ab. Auch wenn das Gebiet des Geoparks keine Vergletscherung erfuhr, so führten die starken klimatischen Schwankungen doch zu intensiven Verwitterungs- und Abtragungsprozessen. Insbesondere die Flusssysteme setzten umfangreiche Abtragungskräfte frei, die bis heute andauern. Schwächt sich die Transportkraft des Flusses ab, wird das lose Gesteinsmaterial an anderer Stelle abgelagert. Die Auswirkungen der Warm- und Kaltzeiten auf die fluviatile Erosion von Lahn und Dill und ihren Nebengewässern führten zur Bildung einer Folge von Flussterrassen im Geopark, die auch heute noch sichtbar sind. Die Talauen, die heute mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet werden können, entstanden erst nach der letzten Eiszeit.

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Geologische Übersichtskarte des Geoparks. Größere Ansicht öffnet durch Klick auf das Bild.

Erdgeschichtliche Phasen und wichtige Ereignisse im Gebiet des Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus (Heiner Flick 2010, Lahn-Dill-Gebiet, S. 9.)