Burg Greifenstein ist eines der eindrucksvollsten Wahrzeichen im GEOPARK Westerwald‑Lahn‑Taunus und die größte Burg des Westerwaldes. Hoch über dem Dilltal thronen die Doppeltürme auf einem markanten Felssporn. Doch der wahre Grund, warum Greifenstein genau hier steht, liegt tief unter der Burg – in der Geologie.
Der Burgberg besteht aus Basalt, einem extrem harten vulkanischen Gestein. Dieser Basalt ist ein Relikt des tertiären Vulkanismus, der vor rund 20 bis 15 Millionen Jahren die Region prägte. Damals öffnete sich die Erdkruste im Zuge der Entstehung des Oberrheingrabens. Magma stieg auf, erstarrte in der Tiefe oder erreichte die Oberfläche. Einer dieser Magmakörper bildete den heutigen Greifenstein.
Basalt ist deutlich härter und verwitterungsresistenter als die umliegenden Schiefer‑ und Grauwackengesteine des Devon. Während diese weicheren Gesteine über Millionen Jahre abgetragen wurden, blieb der Basalt stehen. So entstand ein Härte‑Resistenz‑Relief: ein Felssporn, der sich aus der Landschaft erhebt und weithin sichtbar ist. Genau diese natürliche Lage machte Greifenstein zum idealen Standort für eine Burg.
Schlaue Erbauer: Ideale Lage und Baustoff vor Ort
Die mittelalterlichen Erbauer nutzten den geologischen Vorteil nicht nur als Standort – sie nutzten den Standort auch als Steinbruch. Der Basalt wurde direkt vor Ort gebrochen und als Baumaterial verwendet. Besonders eindrucksvoll: Die natürlichen Basaltsäulen, die beim Erstarren des Magmas entstanden, wurden als Kragsteine in die Burg eingebaut. Greifenstein steht nicht nur auf Basalt, sondern besteht aus Basalt. Die Burg ist ein Bauwerk aus dem Rohstoff, der vor Ort ansteht.
Von der Festung zur Residenz, heute Ruine und GeoPunkt
Heute ist Greifenstein ein offizieller GeoPunkt des Geoparks. Besucher erfahren hier, wie eng Natur, Kultur und Geologie miteinander verwoben sind. Die Erdgeschichte formte den Berg. Menschen bauten darauf eine Burg – einst eine mächtige Residenz, heute Ruine. Und die Burg selbst trägt die Handschrift des anstehenden Rohstoffs Basalt in ihren Mauern.
Übrigens: Glockengießerei Rincker – Metallkunst seit 1590, Klangwelt seit heute
Nur wenige Kilometer von Greifenstein entfernt, tief unten im Dilltal, liegt ein weiterer Schatz der Region: die Glockengießerei Rincker. Sie ist eine der ältesten Glockengießereien Europas, seit 1590 in Familienbesitz – ein metallurgisches Kulturerbe, das perfekt zu Greifenstein passt.
Und hier kommt der besondere Bezug zur Burg: Hans‑Gerd Rincker, einst Chef der Gießerei, baute über Jahrzehnte eine bedeutende Glockensammlung auf. Diese Sammlung bildete den Grundstock der heutigen Glockenwelt Burg Greifenstein. Was einst in der Gießerei entstand, findet heute auf der Burg ein neues Zuhause – als klingendes Museum, das die Kulturgeschichte der Glocke erzählt und damit einen Teil der Industriekultur im Geopark.
Rincker gießt Glocken aus Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn. Die Glocken aus Sinn stehen in Kirchen auf der ganzen Welt – und viele davon erklingen auch im Schatten von Greifenstein.
