Ein Nutella‑Glas beginnt seine Geschichte nicht im Supermarkt, sondern tief in der Erdgeschichte — im Devon, vor rund 380 Millionen Jahren. Damals befand sich dort, wo heute die Gemeinde Breitscheid im Westerwald ist, ein warmes Flachmeer, in dem sich ein mächtiger Riffkomplex bildete. Ein Korallenriff! Dieses uralte Riff wurde im Lauf der Jahrmillionen zu Kalkstein, die Kalkschichten hoben sich zu einem Gebirge — und genau dieser Kalk spielt eine überraschende Rolle im Alltag.

Der Kalksteinbruch Medenbach

Direkt neben dem GeoInformationszentrum Herbstlabyrinth liegt der Steinbruch Medenbach. Hier baut die Firma Holcim den hochreinen devonischen Massenkalk ab, in dem sich auch die Höhlen des Herbstlabyrinths befinden. Der gleiche Kalk, der unterirdisch zu Tropfsteinen und Karstformen wurde, ist oberirdisch ein begehrter Rohstoff: hell, rein, chemisch stabil — mit einem CaCO₃‑Gehalt von bis zu 99 %.

Dieser Kalk ist einer der hochwertigsten in Deutschland. Und er hat eine besondere Reise vor sich.

Die Glasstadt Wirges im Westerwald

Von Breitscheid fährt der Kalk weiter nach Wirges, einer traditionsreichen Glasstadt, die mit ihrer GeoRoute ebenfalls zum Geopark gehört. Hier produziert die Firma Verallia aus dem Medenbacher Kalk Glas — darunter auch die Nutella‑Gläser. Der devonische Riffkalk ist dabei ein entscheidender Bestandteil: Er sorgt für Transparenz, Stabilität und die chemische Reinheit des Glases.

Stadtallendorf im Marburger Land

Die fertigen Gläser werden anschließend nach Stadtallendorf geliefert, etwas außerhalb des Geoparks, nicht weit von der Universitätsstadt Marburg entfernt. Dort füllt die Firma Ferrero die Nuss‑Nougat‑Creme hinein, verschließt die Gläser und schickt sie in die Welt.

Ein Glas, drei Orte, eine Geologie

Ein Nutella‑Glas ist also mehr als Verpackung. Es ist ein Produkt aus

  • einem 380 Millionen Jahre alten Riff,
  • der Glastradition von Wirges,
  • und der Lebensmittelproduktion einer weltbekannten Firma.

So reist der Rohstoff Kalk durch den Geopark —
vom devonischen Meeresriff über die Glasöfen bis auf den Frühstückstisch.

Übrigens: Kalk – Freund und Feind im Alltag

Der Kalk aus dem Breitscheider Riff begegnet uns nicht nur als Rohstoff für Glas. Er steckt auch in unserem Mineralwasser: Calcium und Magnesium sind wichtige Mineralstoffe für Knochen, Muskeln und Nerven — echte Geologie zum Trinken.

Doch derselbe Kalk kann auch lästig werden: Wenn er sich aus warmem Wasser absetzt, bildet er die bekannten Kalkränder in der Kaffeemaschine, im Wasserkocher oder an der Duschwand.
Das sind winzige Ablagerungen des alten Riffs, die sich aus dem Wasser wieder herauslösen.

So begleitet uns der Kalk aus Breitscheid jeden Tag —
als Gesundheitsmineral, als Haushaltsärgernis und als Rohstoff für Nutella‑Gläser.

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